Tiefverschwiegen birgt Erdmutter aus dem dunklen Schoß hungriges Sein

(Acryl Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 80 cm)

Es hat mich gedrängt, sie zu malen... In uns zu schauen, um uns bewußt zu werden, was sie für uns bedeutet... Reich beschenkt sie uns, unsere Erdmutter. Sie trägt in uns das Leben und gibt uns Heimat. Wir sollten sie in uns wahren ... sie ist nicht nur Erde, Feuer, Wasser, Luft, Fauna und Flora - sie ist unser Herz, unser Geist, unsere Seele im irdischen Reich in einer ewigen Vergänglichkeit. Sie ist unsere Vertraute; sie ist der Odem des duftenden Wiesenmeeres; sie ist der würzig warme Brotgeschmack des herben Erdbodens; sie ist das gluhe Grollen und lichte Brennen der sengenden Flammen, sie ist das ewig dürstende Lied der strömenden Fluten... Sie ist zärtlich und wild, leise und tiefbrausend; Licht und Farbe, Dunkel und Hoffnung... Sie ist Inbrunst ... sie ist Liebe... Was brauchen wir mehr?! Ich habe ziemlich lange an ihr gemalt ... die Gedanken drumherum zogen sich immer bis weit in die Nacht, tief in die Träume... Vorher hatte ich ganz wild mit Entwürfen experimentiert, es ist immer eine gute Form der Suche, im Ausprobieren das Wesentliche zu erlauschen. Dabei mußte die Erdmutter wohl oder übel alle möglichen Variationen ihrer verschiedensten Gestalten durchleben: als weiblicher Baum im All, als Lichtfrau, als unschuldiges Kind, als Hände, welche die Erde schützend im Licht umschließen; nackt im Gras sitzend; erahnend in grün getaucht hinter Eichenblättern; alte Hände mit einer jungen Blüte; als Landschaft, die in den Himmel wächst; als schöne lächelnde junge Frau in den Wald eingebettet, umgeben von Tieren; als Farbstimmung an das Innere eines Kelches mit tragenden Pollen erinnernd; als Göttin, die über das Land schweift; als Statue in einem Tempel der Natur; eine schlafende Frauenlandschaft; ein Gesicht, welches sich aus der Landschaft entpuppt; als kosmische Mutter, die gerade ihr Kind säugt; eine Frau, die aus dem Erdboden wächst und zu Licht zerfließt; ein kosmisches Auge, das fruchtbare Tränen weint, als embryone Frau im keimenden Samen in der Erde... Ach und es ist dann immer so verdammt schwierig, sich zu entscheiden... Ich fand alles zwar schön, aber nicht gut genug. Und da uns die Erde so viel Reichtum an Körperkraft der verschiedensten Landschaften, von den dunkelsten Gängen ihres geheimnisvollen herben Schoßes strömend bis zu den zartesten Liedern im Ätherhauch, schenkt, dachte ich, daß nicht die Gestalt das Wesentliche hergibt, sondern daß die Farben den Vorrang haben müssten und daß sich ein Wesen daraus abhebt, welches dann natürlich auch weiblich aussehen darf. Und ich dachte mir, daß es keine glatten Farben sein dürfen. Sie müssen sich in Farbvarianten und scheinbar zufällig fließenden Strukturen verzweigen, um dem Wesen eine ewige Lebendigkeit zu geben. Die Augen sind fast geschlossen, wie beim tiefen Einatmen. Ich dachte, den Blick der Erdmutter muß jeder für sich allein herausfinden, sonst hat er es nicht verdient, in die Tiefe der Schönheit zu blicken... Den weiblichen Körper kann man nur erahnen. Hände habe ich auch andeutungsweise gemalt, aber so, daß man nicht erkennt, ob sie zum Gebet gefaltet sind oder zum Geben geöffnet. Das Gesicht durchzieht tausend kleine Wasseräderchen und Flußläufe. Die Erdmutter ist eingeflochten in eine Farblandschaft, wobei ich das FARB- betone, man könnte vielleicht mit viel Fantasie Bäume oder sonstige Pflanzen erkennen... Im Zentrum bildet sich ein Kern, als walte dort eine enorme Energie... Und mit besonders viel Fantasie kann man ein Wildpferd erkennen, nur als glutfarbiger Geisterschatten. Rechts oben schwebt ein gewichtiges lebendig pinkleuchtendes Rot, fast als Andeutung der Erde, das das Schwere keinesfalls nach unten zieht. Als Verbindung zum Universum steht hier nur das strahlende Blau rechts unten angedeutet... Es gibt also kein Oben oder Unten... Die Welt steht offen... Und wer weiß, wenn sie aufschaut, wie lieblich fließt wohl erregend Röte im innigen Lied zum dämmrigen Himmelstor?! Und es schaut ernst mit strengem Gesetz zurück, und alle Blicke senken sich in Tiefe, bis innerstes Mark in sengend Glut einbrennt...unser Leben...

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