Ina Bär

about

1966 in Hoyerswerda geboren, seit 1988 in Torgau an der Kreismusikschule "Heinrich Schütz" als Lehrerin in den Fächern Violoncello, Keyboard, musikalische Früherziehung und in verschiedenen musikalischen Projekten in Grundschule und Gymnasium tätig.

"Malerei, warum ausgerechnet Malerei? Du hast doch Musik studiert!", so werde ich oft gefragt. Ja, das stimmt, ich habe in Dresden an der Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber" studiert, in der Celloklasse von Prof. Friedrich Milatz. Das Wunderbare, bei ihm habe ich nicht nur das Handwerk des Cellospielens erlernt, sondern hier wurde der mühsame Weg zur Liebe zur Musik geöffnet. Es ließ mich erfahren, daß die Musik nicht nur einfach Gegenstand von Stimmungsäußerung- en auf einer breiten Gefühlsskala ist. Sie ist weitaus mehr. Durch die Musik wird das Unsichtbare sichtbar - und bleibt doch dem bloßen Auge verborgen... Die Musik hascht im Fliehen, und um das Fliehen weilt die Andacht. Das Werk, es ruht in sich und bewahrt seine Welt. Wir können die Welt nicht einfangen, aber vielleicht fängt die Welt uns ein, denn in der Musik ruht der Anfang selbst...

So ähnlich erscheint es mir auch mit den Farben, in der Malerei... Vielleicht sind ja die Monadi auch "nur" so eine Art Lebenslied, welches erst in Farben erklingt, wenn ich mit ihnen ins Gespräch tauche...

 

 

Ja was sind denn nun eigentlich die Monadi?

Die Welt der Monadi

 

Es sind Stifte, Pinsel und Farben: Monadi - ein Name für jene Vielzahl an Malutensilien, deren Bestimmung es ist, im lebendigen Spiegel des Universums in der Wechselwirkung aller Dinge den bloßen Erscheinungen Gestalt zu geben; die Monadi als gedanklicher Arm des inneren Bedürfnisses, die Gesamtheit der Vorgänge des Wahrnehmens in Linien, Formen und Farben lebendig werden zu lassen - ein Tanz der Monadi, ein gedankliches Gespräch auf Papier oder auf Leinwand gebracht. Malen als ständige Frage, was Leben für uns bedeutet, als Sichtung, aber auch als Äußerung des Lebensgefühls.

Vielleicht ist es sogar eine Form des Lebenskampfes im Streit zwischen Himmel und Erde, der in jedem Inneren stattfindet, getragen von der Sehnsucht, getragen von der Sorge um das Leben, somit getragen von Ängsten, aber wesentlich auch getragen vom Herzblut der Liebe und der Liebe zum Leben. Und vielleicht liegt sogar ein Erschrecken darin, in der Bewahrung dessen, nicht zu vergessen, wo der Mensch steht: an der Peripherie zwischen Abgrund und sich lichtendem Grund.

So gehören Malen und Zeichnen ebenso seit früher Kindheit zu meinen größten Leidenschaften wie die Musik, denn es ist ein Weg, der sich nicht nur künstlerisch, sondern auf der Ebene der wesentlichen Bereiche des menschlichen Daseins öffnet, es ist das Fragen und Ansprechen von Themen im Spielraum des Streites zwischen Welt und Erde, zwischen Lichtung und Verbergung - Sein und Zeit, Glaube und Hoffnung, Nähe und Ferne der Götter, Sehnsucht und Erwachen, Bewegtheit und Schuld, - immer auf der Suche zu unserer Heimat, zu uns selbst.

Ina Bär in der Monadistube... Arbeit an den "wild horses"

Wenn ich male...

 

...dann haschen die Farben rasch im Fliehen Schatten in das Bild...
nur ein Anklang,
ein unsichtbarer Hauch von der Seele des Lebens...
Sind es die Gaben, die wir nie sehen,
nur davon ahnen?
Warum kann es keiner sagen?
Dabei flüstert es uns die ganze Zeit zu...
vom geheimnisvollen Grunde...

 

Und ich stöhne meines Bemühens...
doch die Monadi saugen ein,
das ganze Weltall
und atmen im Bild die Augen der Empfängnis aus...

 

Andacht quillt....

 

filigran und zärtlich,
grob und gefährlich,
unersättlich liebend leidenschaftlich schmerzlich setzt der Pinselstrich mit bangen Farben mein Herzblut in die tiefen Räume...
Oder spielen die Götter nur Hasche mit den Monadi...?
Ich seh's im Spiegel wohl...
doch kann ich nicht folgen...
die langen Fragen schweben sehnsüchtig von dannen

 

zur Antwort der tiefsten ihresgleichen und sprechen es nicht aus...

 

Es wäre so einfach, malt ich Musik ins Bild...
ob Wunsch sich mit hinein webt in den erwachend Garten?
Die goldene Tür,
sie steht schon da...
die Monadi klopfen wild mit farbig Gier...


umsonst...

nur die Verborgenheit vermag sie zu öffnen,
für nur einen Blick,
der noch tiefer sucht...

 

Ina Bär (2013)

Und immer wieder steht bei den Zeichnungen der Mensch im Mittelpunkt, die Gedanken- und Gefühlswelt - gesichtet im Blick...