Verborgenheit in aller Unverborgenheit – die Quelle alles aufgehenden Erscheinens

Verborgenheit in aller Unverborgenheit - die Quelle alles aufgehenden Erscheinen
(Acryl Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 70 cm)

Die Verborgenheit...dieses Thema hat mich schwer beschäftigt... Was ist eigentlich die Verborgenheit, was macht sie aus? Vielleicht, daß sie dem Menschen verborgen bleibt. Ja, er nimmt sie im Regelfall noch nicht einmal wahr. Oft ist es sogar so, daß der Mensch die Verborgenheit schlicht und einfach auch gar nicht wahrhaben will - denn dann müsste er sich eingestehen, daß er durchaus nicht der Herr seines Schicksals ist - sondern bestenfalls ein Suchender von Gnaden des Seins. Tagtäglich schlägt sich jeder Mensch mit den Auswirkungen der Verborgenheit herum - aber die Verborgenheit selbst bleibt ihm verborgen... Die Verborgenheit zeichnet sich irgendwo durch eine gewisse Kälte aus, vergleichbar mit einer Aussage aus der Bibel, die da lautet: Die Sonne scheint über die Gerechten und über die Ungerechten. Offensichtlich nimmt die Sonne in keinster Weise teil am Schicksal der Menschen. Man könnte auch sagen: Der Sonne ist das Schicksal des jeweiligen Menschen egal. Fühlend, leidend, kämpfend ist nur der Mensch selbst - und der Grund für all diese Stimmungen bleibt ihm zumeist verborgen. Finde ich zu mir selbst, dann erwartet mich durchaus keinerlei irdischer Lohn - nur die Erfüllung meines Wesens. Seitens der Verborgenheit kommt in dem Bild die Kälte durch, denn im Grunde genommen scheint mir das ursprüngliche Antlitz des Menschen ein Spiegelbild des Seins. Ebenso nüchtern betrachtend muß man sagen, daß der Weg des fühlenden Menschen der Weg des Schmerzes, der Trauer und der Tränen ist... Denn erst Schmerz, Trauer und Tränen weisen ihm den Weg zurück zum Ursprung, der sich in der Verborgenheit verbirgt... Der Großteil des Bildes wird eingenommen vom leidenschaftlichen Rot - aber dies kommt nur zur wahren Geltung durch das kalte Blau. Und es ist genau dieser blaue Bereich, in welchem das eigentlich Geheimnisvolle stattfindet. Die kleinen Äderchen auf dem Gesicht des Urbilds zeigen, daß dies nicht nur ein totes, kaltes Urbild ist - sondern daß es lebt; daß genau dort das eigentliche Leben waltet, fernab der 'normalen' menschlichen Leidenschaften... Und so kalt dies ins Blaue gebettete Gesicht auch wirkt...genau dort ist der Ursprung des eigentlichen Willens... Es ist ein langer Weg vom Urbild bis zum menschlichen Antlitz, ein Weg, der in die Verborgenheit eingehüllt ist und den wir vielleicht nur mit dem Herzen wahrnehmen können. Und auf diesem langen Weg findet auch die Verkehrung der Zeit statt. Deshalb ist der Mensch in seinem tiefsten Innern immer auf der Suche nach der Ewigkeit...nach dem Bleibenden... - Und wie kann man sie denn nun malen, die Verborgenheit...? Bevor ich beginne zu malen, gehen meine Gedanken immer auf eine große Wanderschaft und suchen in allen Ecken und Winkeln; manchmal liegen sie ja auch ganz offen da, und man muß erst darüber stolpern. Doch in jedem Falle ist das Malen für mich ein Gespräch...Mit wem?...Ich sage: Es ist ein Gespräch mit meinen Monadi, aber man könnte auch sagen: Es ist ein Gespräch mit dem Sein ... und es fühlt sich dann ungefähr so an: Wie kann man sie denn nun malen, die Verborgenheit...? Vielleicht als Keim... aber ein Keim wäre nicht ausreichend, da er sich erst entwickeln und entfalten muß. Ist das Unverborgene nicht schon da, in seiner vollen Präsenz? muß sich nur ins Sichtbare entfalten? ...muß es das überhaupt? Kann es das überhaupt? Will es das überhaupt? - Und wenn, was wird dann sichtbar? ... und wodurch kann es sich überhaupt lichten...? Manchmal denke ich, es gibt Dinge von solcher atemberaubender Größe und Unfaßbarkeit, daß man sie deshalb nicht sieht, weil sie außerhalb unserer Dimension liegen ... und trotzdem verneigen wir uns so tief davor, weil wir es nur im Gefühl sehen... Die einzige Chance ist es, innen zu erblicken, wenigstens zu erfühlen und zu ahnen. Doch wie malt man das Innere? Und selbst das Innere muß auch nicht alles preisgeben, weil es das vielleicht gar nicht will, ist scheuer als ein Reh ... und noch schlimmer: weil es sich gar nicht kennt... Mann, wie soll ich etwas malen, was ich nicht kenne? Vielleicht wäre eine Maske ein faßbarer Schlüssel zum Geheimnis der Verborgenheit... Oder ist die Maske zu starr? - Sollte die Verborgenheit nicht hinter oder eigentlich inmitten etwas Fließendem sein, um einen Quellursprung ausfindig zu machen, was die Erscheinung in sich fließen lassen kann ...ähnlich einem Schleier? Aber entstellt es wiederum nicht die Form, entstellt sich und wird somit wieder unsichtbar? Oder wäre das Licht der Geheimnisträger? Oder muß man etwas mehrmals entstellen, damit man das Wahre findet? Warum will ich es überhaupt sichtbar machen? Will ich doch gar nicht - ich will ja nur zeigen, daß etwas im Verborgenen liegt. Da könnte ich es mir leichtmachen und male einfach nur Nebel - so'n Blödsinn: da kann ich auch die Katzen draufpinkeln lassen ... als Ratespiel .... na, na, na, nicht so albern hier! Es ist ein ernstes Thema... Wie wäre es mit einem Schlafenden, der im Herz ein geöffnetes Auge trägt? oder einfach nur ein großes Auge, in dem man die Welt des eigenwilligen Universums erblickt? oder ein See, in welchem man verschwommen in ein Spiegelbild schaut? oder überhaupt ein Blick in den Spiegel, wobei das Spiegelbild etwas ganz Anderes zeigt? oder doch eine Maske, die sich gerade lüftet? oder eine Gestalt, welche durch einen tiefen, langen, dunklen Kellergang geht und an den Wänden hängen Bilder von der selben Gestalt in unterschiedlichen Charakteren?oder eine Gestalt im Negativbild? oder viele Augen in unterschiedlicher Blickrichtung? oder ganz einfach ein schlafendes Baby im besonderen Wechsel von Licht und Dunkel? oder ein Auge mit einer inneren Welt, aus dem eine Träne fließt mit einer anderen inneren Welt? oder ein Bildnis im Zerrspiegel? oder ein Gott, der blinde Kuh spielt... ? Es ist schon schwierig, da ich ja eigentlich in das Innere eines Menschen schauen möchte, wo die Gedanken und Gefühle sind, und wir aber in stofflicher Form immer nur das Äußere wahrnehmen... Aber verwenden wir nicht eigentlich innen auch "nur" Bilder, um uns selbst kennenzulernen und zu offenbaren, um zu verstehen...? Vielleicht muß ich nur den Vorhang aufziehen... - Und dann wählte ich hauptsächlich die Farben Rot und Blau. Die Entscheidung fiel mir sehr schwer, denn eigentlich hatte es mich gedrängt, in Pastell zu malen. Da aber die Grundstimmung aus einer unbestimmten Tiefe hervortreten sollte, einem Hintergrund, den man klar sieht, aber nicht definieren kann, der eine kosmische Stimmung in sich trägt - lasse ich dabei beim weggezogenen dunkelblauen Vorhang wirklich ein kleines Stück Kosmos hineinschauen... Ansonsten ist die vorwiegende Farbe im satten Rot bis Violett, aufgebrochen durch eine Spiralenstruktur, aus der angedeutet die Zeit fließt. Die Spiralenstruktur ist eine komplizierte Lichtfläche, die insgesamt gesehen ein gebogenes Horn eines Einhorns ergibt, nein, das ist natürlich kein Einhorn ... das ist mein Geheimnis, denn ich wollte kein Fabelwesen hineinmalen, da sonst die Aussage falsch herüberkommt. Aber es gibt sich zu erkennen als eine Hand... Die Hand der Allmacht? Die Kraft, die uns anfaßt, wir es deutlich spüren, aber nicht erklären können? Fast im Zentrum des Bildes eingebettet an die gebogene Form der lichten Fläche der Hand ist ein großer Spiegel. Aus ihm tritt aus einer tief dunkelroten Hintergrundfarbe, angedeutet als ein samtener Mantel, ein Gesicht hervor, schön, fast zu schön und glatt und maskengleich, mit dem Blick nach unten gesenkt. Sie schaut herab auf ihre eigene Gestalt, welche aber aus dem Spiegel herausgelöst ist... Es ist keine glatte Gestalt mehr - im Gegenteil, man weiß nicht, ob sie zerfließt oder aus irgend etwas heraustritt... Sie hat eine hingebungsvolle Pose, angelehnt an ein weinendes Auge. Beide Gestalten (Gesicht im Spiegel und das dazugehörige "Ich" in der hingebungsvollen Pose vor dem Spiegel) werden von dem gleichen Gesicht von außerhalb aus dem Kosmos hervorschauend hinter dem Vorhang, nur diesmal in Profilstellung, von weitem beobachtet. Ihre Stirn durchzieht ein Geflecht von feinen Äderchen - eine Verbindung zum Leben. Und nun denke ich, dieses Thema hat mir erst einen klitzekleinen Spalt geöffnet, mir einen Blick auf deren Bild geschenkt ... es ist nur eine Ahnung ... und es überwältigt mich ein Staunen...

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