Wenn der Mond die Farben leertrinkt

Wenn der Mond die Farben leertrinkt....jpg
(Acryl auf Leinwand, 90 x 60 cm)

Wenn der Mond die Farben leertrinkt, dann gibt das Tor zur Nacht eine kühle Stille frei. Und wenn ich eintrete in das fahle Farbenmeer, erzählt das Ungesprochene mir von seinem Reichtum, es sammelt sich im Hören und stimmt den Blick der Sinne in ein öffnend Licht, denn die meisten Farben trägt der Himmel im Verborgenen. Na ja ... und die Monadi lauschen gern in die tiefen Ritzen der Verborgenheit, als ob gerade aus diesen Sphären ein Wesenslicht flüstert, ein uns dem Blick vorbehaltener Ton. Und wenn die Monadi erst einmal eine Idee aufschnappen, wenn sie nur erahnen, dann ist es zu spät für mich: dann drängeln und zetern sie, liegen mir in den Ohren und mischen sich schon geheimnisvolle Farbgebräue in den tiefsten Magengrubenwurzeln und kitzeln damit meine Gedanken. Und so haben sie wohl zum dunklen Waldengel gelauscht und flüsterten die Farben einer Waldlichtungsvollmondnacht... Der Mond durfte nicht zu sehen sein, sein besonderer Zauber sollte im Licht liegen, einem Licht, welches die Farben schon zu Asche verglüht hat, die Farben wie ausgebrannt; nur noch unter den Rinden der Bäume ächzt gespenstisch der Lebenssaft mit blutroter Stimme. Dann werden tausend unheimliche Augen wach...

Denn ist es nicht so, daß, wenn das Tageslicht sich nach und nach entzieht und das Reich der Nacht beginnt, alles Leuchtende, Strahlende, Farbenfrohe entschwindet und zurückkehrt ins Verborgene? Unheimlich ist uns zumute. Kaum daß wir wagen, uns zu regen, denn die Stille erschreckt uns. Das uns Vertraute engleitet ... es hat sich verändert... Der Mond - er trinkt die Farben leer ... obwohl sie doch als Farben bleiben... Eingehüllt vom Entzug, rücken wir uns selber näher ... und suchen nach einem Halt, hoffen, das Vertraute wieder in seiner Fülle erfahren zu dürfen...

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